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im Rheinland

News vom 04. Dezember 2018

Jakob-Imig-Archiv in Bedburg-Hau-Louisendorf am 29. November 2018 feierlich wiedereröffnet Archiv und Museum zur Geschichte der Pfälzer am linken Niederrhein wurden im Rahmen der Regionalen Kulturförderung des LVR unterstützt.

Am 29. November 2018 wurde das Jakob-Imig-Archiv von Hubertina Croonenbroek, Stellvertretende Landrätin des Kreises Kleve, Peter Driessen, Bürgermeister der Gemeinde Bedburg-Hau, Jürgen Graven, Ortsvorsteher von Louisendorf, und Dr. Claudia Kauertz, Leiterin des Teams Archivberatung im LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrum, feierlich wiedereröffnet. An dem Festakt nahmen etwa 30 geladene Gäste teil.

In ihren Grußworten betonten die Stellvertretende Landrätin Cronnenbroek und Bürgermeister Driessen den besonderen, bereits im Ortsbild erkennbaren historischen Charakter der Ortsgemeinde Louisendorf, die in diesem Jahr erstmals mit der Goldmedaille in dem Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ ausgezeichnet worden ist. Ein Kriterium für die Preisverleihung war dabei auch die bis heute lebendige Pflege der Tradition, des Brauchtums und der Mundart der Pfälzer am linken Niederrhein. Seitens des LVR, der die Einrichtung des Jakob-Imig-Archivs im Rahmen der Regionalen Kulturförderung 2015 gefördert hatte, betonte Dr. Claudia Kauertz die gute Kooperation mit der Vereinsgemeinschaft Louisendorf und gab ihrer Freude Ausdruck, dass das Jakob-Imig-Archiv nun modernen fachlichen Standards entspreche und die Quellen zur Geschichte der pfälzischen Sprachinsel am linken Niederrhein hier für die Nachwelt dauerhaft erhalten werden könnten.

Im Rahmen des Festakts wurde zugleich auch der umfangreiche Nachlass Manfred Reuters von seiner Witwe Ingrid Saccaro-Reuter an das Jakob-Imig-Archiv übergeben. Außerdem wurde der ehemalige Louisendorfer Josef Jörissen geehrt, der durch sein vielseitiges Engagement große Verdienste für die Heimatpflege erworben hat und deshalb 2018 vom LVR mit dem Rheinlandtaler ausgezeichnet worden ist.

Das Jakob-Imig-Archiv

Das Jakob-Imig-Archiv wurde im Jahr 2005 in der ehemaligen Lehrerwohnung in Bedburg-Hau-Louisendorf eingerichtet. In ehrenamtlicher Trägerschaft widmet es sich der Erforschung der Geschichte und Kultur der sog. Pfälzer am linken Niederrhein. Getragen wird das Jakob-Imig-Archiv von der 1999 gegründeten Vereinsgemeinschaft Louisendorf e.V., der heute insgesamt 12 lokale Vereine angehören. Wesentliche Vereinsziele sind der Erhalt und die Förderung von Sitten und Gebräuchen der niederrheinischen Pfälzer sowie der Wahrung und Pflege der Pfälzer Mundart, des sog. „Pälzischen“.

Der Ausbau des Jakob-Imig-Archivs, das von der Gemeinde Bedburg-Hau unterstützt und vom Gemeindearchivar Johannes Stinner fachlich betreut wird, nimmt hier einen zentralen Platz ein. Es ist gleichzeitig ein Museum zur lokalen Volkskultur und ein Sammlungsarchiv, das die Geschichte, das Brauchtum und v. a. die Sprache der im 18. Jahrhundert an den Niederrhein eingewanderten Pfälzer überliefert und sie aktiv pflegt. Es dokumentiert damit eine historische Migrationsbewegung, welche die bis heute bestehende sog. Pfälzische Sprachinsel am linken Niederrhein begründete.

Geschichte der Pfälzischen Sprachinsel am linken Niederrhein

Die Pfälzische Sprachinsel umfasst die drei Ortschaften Louisendorf, Neulouisendorf und Pfalzdorf. Sie geht historisch auf die Ansiedlung von Auswanderern aus der Kurpfalz im Herzogtum Kleve um die Mitte des 18. Jahrhunderts zurück. Die Auswanderer, die ursprünglich nach Amerika wollten, strandeten am Niederrhein und gründeten auf der Gocher Heide zunächst das Kolonistendorf Pfalzdorf. Ihre Nachfahren siedelten sich etwa 80 Jahre danach im Kalkarer Wald an und gründeten hier 1820 das heutige Louisendorf, das nach der preußischen Königin Louise benannt wurde und in zwei Jahren bereits seinen 200. Geburtstag feiern kann. Aufgrund ihres protestantischen Bekenntnisses vermischten sich die Aussiedler nicht mit der eingesessenen katholischen Bevölkerung, so dass Elemente ihrer kulturellen Eigenart, wie ihre Mundart und ihr Brauchtum, bis heute erhalten geblieben sind.

Vor allem in Louisendorf wird noch heute ein Migrantendialekt gesprochen, der mit dem Pfälzischen in Verbindung gebracht wird, weil die Siedler aus Kreuznach und Simmern im historischen Territorium Kurpfalz stammten. Allerdings ist die historische Kurpfalz nicht mit der heutigen Region Pfalz identisch. Deshalb unterscheidet sich auch der von den Aussiedlern und ihren Nachfahren selbst „Pälzisch“ genannte Dialekt grundlegend von den Dialekten, die linguistisch der Pfalz zugeordnet werden.

Lebendige Sammlung

Besonders für den Erhalt des „Pälzischen“ hat sich der 1994 verstorbene Louisendorfer Landwirt, Organist, Mundartdichter, Genealoge und Heimatforscher Jakob Imig verdient gemacht. Imig gründete 1955 den bis heute bestehenden Pfälzerbund am Niederrein e.V. und wurde für seine Verdienste bereits zu Lebzeiten hoch geehrt. 1976 erhielt er das Bundesverdienstkreuz und 1977 – als erster Louisendorfer – den Rheinlandtaler des LVR.

Imigs umfangreicher Nachlass bildet das namensgebende Herzstück der Sammlungen des Jakob-Imig-Archivs. Als heute wohl bekanntester Pfälzer aus der niederrheinischen Sprachinsel ist er mit zahlreichen Publikationen hervorgetreten: Gedichte und Prosa in pfälzischer Mundart, Aufsätze über die pfälzische und Louisendorfer Geschichte sowie Beiträge zur Familienforschung, zur Regional- und Kirchengeschichte und zur Volkskunde.

Das Jakob-Imig-Archiv ist Teil der reichhaltigen Archivlandschaft des Rheinlandes. Mit der Pfälzischen Sprachinsel am Niederrhein, die ein noch erhaltenes historisches Zeugnis für die Migration im Rheinland ist, dokumentiert es einen besonderen Aspekt der rheinischen Volkskultur. Als lebendige Gedächtniseinrichtung setzt es sich für die Sicherung des kulturellen Erbes vor Ort ein und trägt wesentlich zur Stiftung lokaler und regionaler Identität bei. Damit ist das Jakob-Imig-Archiv eine lebendige Sammlung, die sich nicht nur auf die Pflege des Nachlasses ihres Namensgebers beschränkt. Das Archiv sammelt aktiv weitere Nachlässe und Materialien zur Geschichte der Pfälzer am Niederrhein und bemüht sich so um die Pflege der Pfälzer Sprache und Kultur.

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