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13. Dezember 2018

„Inventar der ältesten Handschriften des Propsteiarchivs Kempen“

Beschreibungen zur mittelalterlichen Handschriftenüberlieferung von Hanns Peter Neuheuser erschienen.

Am 13. Dezember 2018 wurde der neu erschienene Inventarband zur ältesten Handschriftenüberlieferung in der Propsteipfarrei St. Mariae Geburt in Kempen im Rahmen einer Feierstunde in Anwesenheit von Autor, Herausgeber und weiteren Gästen an Propst Dr. Thomas Eicker übergeben. Das 340 Seiten umfassende Inventar wird als Band 58 in der vom LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrum (LVR-AFZ) herausgegebenen Reihe „Inventare nichtstaatlicher Archive“ veröffentlicht. Es bietet Beschreibungen zu den in der Propsteipfarrei St. Mariae Geburt in Kempen überlieferten, ältesten 45 Handschriften (14.-18. Jahrhundert) und 20 Handschriftenfragmenten (10.-17. Jahrhundert), die aus der ehemaligen Pfarrbibliothek stammen. Ergänzend dargeboten wird darüber hinaus ein Katalog der älteren Liturgica-Drucke, die heute noch in der sog. Alten Bibliothek der Propsteipfarrei vorhanden sind. Erschlossen wird der Band durch einen Index der zitierten Handschriften, ein Initienverzeichnis, einen Index der Autoren und Werke sowie durch ein Personen-, Orts- und Sachregister. Schließlich bietet das Inventar 39 farbige Abbildungen zur Illustration der überlieferten Handschriften.

Die Propsteipfarrei in Kempen wurde in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts gegründet und trat im 15. Jahrhundert als Wallfahrtsort in Erscheinung. Bereits im Spätmittelalter entstand hier eine Pfarrbibliothek, die den Bedürfnissen der Pfarrseelsorge, der Gestaltung des Gottesdienstes, der theologischen Lektüre der Kuratgeistlichen und dem Schulunterricht der Jugend diente. So war die Bibliothek mit pastoraltheologischer und kirchenrechtlicher Literatur sowie mit Werken der Patristik und Scholastik ausgestattet. Den Grundstock bot allerdings eine Vielzahl liturgischer Bücher, die für den Gottesdienst benötigt wurden. Die Pfarrbibliothek macht dabei die engen Beziehungen zwischen der Gladbacher Benediktinerabtei St. Vitus und der hier im Jahr 1320 inkorporierten Propsteipfarrei sichtbar. Darüber hinaus sind Einflüsse des Annenkonvents der Franziskanertertiarinnen, des Gymnasiums Thomaeum sowie des Franziskanerklosters in Kempen erkennbar.

Die Erschließung der Handschriften folgt im Prinzip den von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) herausgegebenen „Richtlinien Handschriftenkatalogisierung“. Erschlossen werden sowohl die Handschriften und Handschriftenfragmente der Alten Bibliothek als auch weitere Handschriften und Fragmente, die außerhalb dieser Sammlung im Propsteiarchiv aufbewahrt werden. Schließlich werden auch Handschriften miteinbezogen, die sich früher in der Pfarrbibliothek befanden bzw. einen engen Bezug zu den hier verwahrten Kodizes aufweisen, heute aber nicht mehr Eigentum der Propsteipfarrei sind.

Das Inventar macht den Quellenwert der Handschriften der Propsteipfarrei Kempen nicht nur für die lokale, regionale und kirchliche Geschichtsforschung, sondern auch für eine breitere Öffentlichkeit sichtbar. Der Band ergänzt ein bereits 1995 als Band 37 der Reihe erschienenes Inventar des Bearbeiters, das die älteste Aktenüberlieferung des Propsteiarchivs Kempen erschließt. Damit sind beide Quellengruppen des Propsteiarchivs bis zum 18. Jahrhundert erschlossen und stehen künftig der Forschung zur Verfügung.

Der Band ist zum Preis von 29,50 Euro beim Habelt-Verlag (Dr. Rudolf Habelt GmbH, Am Buchenhang 1, 53115 Bonn, Tel 0228 923830, E-Mail info@habelt.de) erhältlich.

Hanns Peter Neuheuser (Bearb.), Inventar der ältesten Handschriften des Propsteiarchivs Kempen, hrsg. v. LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrum, Bonn 2018 (Inventare nichtstaatlicher Archive 58), 340 S. mit 39 farbigen Abb., 22 cm, Kt.

ISBN 978-3-7749-4177-9.