In der ersten Online-Veranstaltung des Jahres stellt Dr. Christina Fehse unter dem Titel "Digitaler Zugang versus Urheberrecht – Der Bestand „Folkwang-Museum“ im Haus der Essener Geschichte/Stadtarchiv" einen Bestand vor, dessen bevorstehende Online-Stellung richtungsweisend für die Archive sein könnte.
Die Archivwelt ist schon lange in der digitalen Welt unterwegs. Mittels Datenbanken wird NutzerInnen von überall eine Recherche in Archivbeständen ermöglicht. Bei bestimmten Materialien wie Fotos, Plänen, Plakaten und Postkarten reicht die reine Beschreibung allerdings oft nicht aus. Ein Digitalisat würde helfen – doch um dieses öffentlich im Internet darstellen zu können, muss unter anderem die Hürde des Urheberrechts überwunden werden. Für einzelne Werke ist der Rahmen einer Prüfung noch vertretbar, aber bei ganzen Beständen ufert diese aus – ein Hinderungsgrund von vorneherein, überhaupt an die digitale Bereitstellung ganzer heterogener Bestände zu denken?
Das Haus der Essener Geschichte/Stadtarchiv hat gemeinsam mit dem Folkwang Museum Essen die Verwaltungsakten des Museums mit einer Laufzeit bis maximal 1960 digitalisiert und beabsichtigt, sie auf den üblichen Archivdatenbanken digital bereit zu stellen. Der Bestand enthält neben dem normalen Verwaltungsgeschäft auch An- und Verkaufsakten, Briefe von Künstlern, Fotos von Kunstwerken und Ausstellungen sowie wichtige Dokumente zur Provenienzforschung. Durch die Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst (VG Bild) wurde eine übergreifende Lizenz geschaffen, mittels derer ohne Schwärzung und dauerhaft nutzbar der gesamte Bestand digital zur Verfügung stehen kann. Dies bietet den Archiven die Chance, den Anforderungen einer modernen digitalen Gesellschaft gerecht zu werden, ohne sich in eine rechtliche Grauzone zu begeben.
Nach einer kurzen Vorstellung des holprigen Wegs hin zur Lösung möchten wir gemeinsam über die Möglichkeiten und Chancen sprechen, wenn das Urheberrecht nun nicht mehr der digitalen Arbeit in Archiven entgegensteht.