LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrum Logo Landschaftsverband Rheinland - zur Startseite

Archive
im Rheinland

Vor 160 Jahren – Vorläufer der Landesbank gegründet

7. Februar 1854: Die Rheinische Provinzialhülfskasse nimmt ihre Arbeit auf

17. Februar 1888: Rheinischer Provinziallandtag stimmt für Gründung einer Landesbank der Rheinprovinz

Am 7. Februar 1854 war es soweit: In der Kölner Zeughausgasse nahm die neugeschaffene "Rheinische Provinzial-Hülfskasse" ihre Arbeit auf. Der Gründung waren jahrelange intensive und zum Teil kontroverse Beratungen und Verhandlungen vorausgegangen, in deren Verlauf verschiedene Entwürfe und Denkschriften diskutiert und verworfen worden waren [1].


Die Rheinische Provinzial-Hülfskasse

Von Beginn an war der Einfluss der rheinischen Provinzialverwaltung dominierend, da drei der vier Direktorenposten von den Provinzialständen besetzt wurden. Die Rolle des preußischen Staates beschränkte sich auf die Kontrolle durch den Oberpräsidenten der Rheinprovinz und die Oberaufsicht des preußischen Innenministers. Zweck des neugründeten Instituts war gemäß ihres Statuts, "gemeinnützige Anlangen und Anstalten, Gemeindebauten, Tilgung von Gemeinschulden, Grundverbesserungen und gewerbliche Unternehmungen durch Darlehne (!) zu erleichtern"[2]. Institut und Ausrichtung waren jedoch keine rheinische Erfindung. Als Vorläufer der rheinischen Provinzial-Hülfskasse ist die "Hülfskasse für die Provinz Westfalen" anzusehen, die am 5. Januar 1832 auf Initiative des damaligen Oberpräsidenten der Provinz Westfalen, Ludwig von Vincke, ihren Betrieb aufnahm.
Die Bank gewährte in den ersten Jahren dementsprechend vor allem Kommunen, Einrichtungen und Verbänden langfristige Kredite, wohingegen Privatpersonen nur einen sehr überschaubaren Geschäftsanteil ausmachten. Unter anderem erhielt die Provinzial-Blinden-Anstalt in Düren ein langfristiges Darlehen. Darüber hinaus wurden der Straßen- und Wegebau sowie Maßnahmen gefördert, die dem Landesausbau (Meliorationen) dienten[3]. Dahingegen war der Hilfskasse per Statut untersagt, Einlagen von Privatpersonen anzunehmen. Die Geschäftspolitik blieb aber nicht ohne Widerspruch. So kritisierte bereits 1860 der Velberter Bürgermeister Sternberg die Verteilung der Geldmittel[4].

Als "Grundausstattung" stellte der preußische Staaat ein Stammkapitel von 400.000 Taler zur Verfügung. Zwar war die Provinzialhülfskasse als gemeinnütziges Institut gegründet worden, deren vorrangiger Zweck nicht die Gewinnmaximierung sein sollte. Dennoch erwirtschaftete sie Überschüsse. Die Zinsgewinne des Instituts wurden zunächst geviertelt. Die Hälfte der Zinsgewinne war als Prämie für Sparkassenkunden vorgesehen. Ein Viertel wurde zur Erhöhung des Stammkapitals verwendet. Über ein weiteres Viertel – den "Ständefonds" – konnte der Landtag der Rheinprovinz frei verfügen. Nach einer Umverteilung im Jahr 1872 wurde der Anteil des Fonds auf 75 Prozent erhöht. Für die Provinzialstände bedeuteten die jährlichen Gelder eine wichtige Einnahmequelle, die sie unter anderem zugunsten der Provinzial-Museen in Trier und Bonn oder zur Förderung von Infrastrukturmaßnahmen einsetzen. Über Einnahmen und die Verwendung der Mittel hatte das Institut jährlich dem Provinzialausschuss der Rheinprovinz Bericht zu erstatten.

Ab den 1860er Jahren wuchsen Tendenzen in Preußen, die Verwaltung stärker zu dezentralisieren und den Provinzen mehr Selbstverwaltungsrechte zu gewähren. Diese brachten für die Rheinprovinz weitreichende Konsequenzen mit sich, die sich auch auf die Rheinische Provinizial-Hülfskasse auswirkten. Mit den sog. "Dotationsgesetzen", die den preußischen Provinzen einen höheren Grad an Selbstverwaltung ermöglichten, ging zunächst die Leitung und 1875 auch das Eigentum an der Provinzial-Hülfskasse an den Provinzialverband über[5]. Dieser Wechsel drückte sich sichtbar dadurch aus, dass die Provinzial-Hülfskasse nur zwei Jahre später von Köln nach Düsseldorf umzog.


In den folgenden Jahren wandelten sich zunehmend die Geschäftsfelder, da vermehrt private Interessenten Kredite erhalten konnten. Der schrittweise Umbau zu einer Geschäftsbank fand am 17. Februar 1888 seinen Abschluss, als der 33. Rheinische Provinziallandtag die Einrichtung einer Landesbank der Rheinprovinz beschloss.

Das Dokument des Monats zeigt das neue, repräsentative Dienstgebäude der Landesbank, das 1896 in der Düsseldorfer Friedrichstraße bezogen wurde. Die Bedeutungm, aber auch das Selbstverständnis des Instituts werden an den Ausmaßen des Kassensaals sichtbar, der mehr als 200 qm groß war.


Zum ersten, alleinigen Direktor der neuen Landesbank wurde Ernst Lohe bestimmt, der jahrzehntelang die Geschicke der neuen Landesbank lenkte. In dieser Zeit vervielfachte sich die Bilanzsumme der Bank, die schließlich zur größten aller preußischen Provinzialbanken aufstieg. Vor diesem Hintergrund feierte die Bank 1904 ihr 50-jähriges Bestehen [6]. Die Wirren des Ersten Weltkrieges und der Weimarer Republik mit der Besetzung des Rheinlandes, Weltwirtschaftskrise und Inflation überstand die Bank zunächst unbeschadet. Dennoch stand sie 1931 kurz vor der Insolvenz, die nur durch das Eingreifen des preußischen Staates abgewendet werden konnte.


[1] Bereits 1843 diskutierten die Provinzialstände den Antrag, eine Provinzial-Sparkassenbank zu schaffen. Siehe: ALVR, Nr. 1246. Aus dem Jahr 1851 haben sich mehrere solcher Denkschriften erhalten, die u. a. den Nutzen einer solchen Bank für die Provinz betonten: Denkschrift in Betreff der rheinischen Provinzial-Hilfskasse; Denkschrift über die Benutzung der Provinzial-Hülfskasse zur Beförderung landwirtschaftlicher Grundverbesserungen; Entwurf des Statuts der rheinischen Provinzial-Hülfskasse. Siehe: ALVR, Nr. 1247.
[2] Zitat aus dem Statut von 1854: ALVR, NR. 1249.
[3] Die genauen Beträge gingen in die jährlichen Verwaltungsberichte ein. Siehe z. B.: ALVR, Nr. 1250 und Nr. 1251.
[4] Er veröffentlichte am 1. November 1860 sogar einen kritischen Beitrag im Elberfelder Kreisblatt: ALVR, Nr. 0205.
[5] § 8 des Gesetzes, betreffend die Ausführung der §§ 5 und 6 des Gesetzes vom 30. April 1873 wegen der Dotation der Provinzial- und Kreisverbände (1875, Juli 8).
[6] ALVR, Nr. 3359 (1904, Januar 1).


Quellen und weiterführende Literatur

  • Archiv des Landschaftsverbandes Rheinland, Bestand Archiv der Provinzialstände der Rheinprovinz
  • Archiv des Landschaftsverbandes Rheinland, Bestand Sondereinrichtungen der Provinzialverwaltung
  • Archiv des Landschaftsverbandes Rheinland, Bestand Bild 13
  • Fischer, Albert: Die Landesbank der Rheinprovinz. Aufstieg und Fall zwischen Wirtschaft und Politik (Wirtschafts- und sozialhistorische Studien 6). Köln, Weimar, Wien 1997
  • Pohl, Hans: Die geschichtliche Entwicklung der Landesbanken/Girozentralen von den Anfängen bis 1908, in: Die Landesbanken/Girozentralen – historische Entwicklung und Zukunftsperspektiven. Sparkassenhistorisches Symposium 1990 (Sparkassen in der Geschichte, Abt. Dokumentation 6). Stuttgart 1991, Seite 17-35
  • Pohl, Hans: Von der Hülfskasse von 1832 zur Landesbank. Düsseldorf 1982

nach oben