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30. Juli 2026

„Erlebnis Archiv“ eröffnet Studierenden spannende Einblicke in die Archivarbeit

Auftaktseminar im LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrum

Wie funktioniert eigentlich die Arbeit im Archiv? Welche Schätze können sich hinter historischen Beständen verbergen und welche Aufgabe übernehmen Archivar*innen? Antworten auf diese Fragen bot das zweitägige Studierendenseminar „Erlebnis Archiv“ (7.–8. Juli 2026).

Tag 1: Kennenlernen und Grundlagen

Der erste Veranstaltungstag begann mit einem Begrüßungskaffee und der ersten Vernetzungsmöglichkeit für die aus dem ganzen Rheinland angereisten Studierenden. Anschließend eröffnete Monika Marner, Leiterin des Fortbildungszentrums des LVR-AFZ, das Seminar mit einer Einführung in die rheinische Archivlandschaft. Dabei wurden zentrale Begriffe des Archivwesens erläutert sowie mögliche Berufs- und Karrierewege vorgestellt. Gerade für die Teilnehmenden, die bislang nur wenig Berührung mit Archiven hatten, bot dieser Vortrag eine wichtige Orientierung.

Der Impulsvortrag von Dr. Stephen Schröder, Leiter des Archivs im Rhein-Kreis Neuss, zum Thema „Einführung in rechtliche Fragen der Archivarbeit“ beleuchtete unter anderem die gesetzliche Grundlage für die Aufgaben eines Archivs und den Umgang mit Schutzfristen, Urheberrechten sowie den damit verbundenen Herausforderungen bei der Bereitstellung und Nutzung von Archivgut.

Wie vielseitig das Berufsfeld Archiv sein kann, zeigte das Podiumsgespräch „Traumjob Archivar/Archivarin? – Facetten eines Berufes im Wandel“. Martin Lambertz vom Archiv im Rhein-Kreis Neuss und Vincent Camillo Ries aus dem Stadtarchiv Kerpen berichteten von ihrem beruflichen Werdegang sowie von Chancen und Herausforderungen aus dem Arbeitsalltag. Mit inspirierenden Worten sprachen sie über Aspekte, die für sie die Archivarbeit besonders machen: z. B. der intensive Kontakt mit Nutzer*innen sowie das Privileg, mit historischen Quellen arbeiten zu dürfen. Rege Fragen der Studierenden führten dabei zu einem lebendigen Austausch.

Die Mittagspause nutzten einige Teilnehmende zum spontanen Besuch der Dauerausstellung „1000 Jahre Abtei Brauweiler. Ein Ort rheinischer Geschichte“ im LVR-Kulturzentrum Abtei Brauweiler.

Danach stand mit einer Einführung in die Paläographie ein praktischer Programmpunkt auf dem Plan: Heike Bartel-Heuwinkel (LVR-AFZ) vermittelte Grundlagen der historischen Schriftkunde, um handschriftliche Quellen besser zu lesen und zu verstehen. Anschließend wurden Quellen in Kurrent und Sütterlin transkribiert. Die Übung bot die Möglichkeit, die erlernten Kenntnisse praktisch anzuwenden und einen Einblick in die Arbeit mit historischen Dokumenten zu gewinnen.

Tag 2: Workshops zu archivischen Arbeitsfeldern

Der zweite Veranstaltungstag, begleitet von Thea Fiegenbaum (LVR-AFZ), bot den Teilnehmenden ein vielseitiges Workshop-Programm: Die Studierenden konnten zwischen sechs Workshops zu vier verschiedenen Themen frei wählen und so ihr individuelles Programm nach ihren Interessen zusammenstellen.

Im Vorfeld der Workshops eröffnete Jana F. Schulz (LVR-AFZ) das Programm mit einem Impulsvortag zum Thema „Findbücher & Information Retrieval. Das Suchen und Finden historischer Quellen im Archiv“.

Am Vormittag führten Katharina Hoß und Juliano de Assis Mendonça (beide LVR-AFZ) in die Arbeit der Archivberatung am Beispiel von Adelsarchivbeständen ein. Hierfür gab es einen Einblick in die Beratung von Archiven und die ersten Berührungspunkte mit Archivalien im Original, indem Material und Inhalt in Augenschein genommen wurden.

Parallel dazu öffnete die Papierrestaurierungswerkstatt ihre Türen. Frederik Tiesmeyer und Markus Vieten (beide LVR-AFZ) demonstrierten anhand praktischer Beispiele die Maßnahmen der Bestandserhaltung und vermittelten anschaulich, welche Herausforderungen und Techniken die Restaurierung historischer Dokumente prägen.

Ein weiterer Workshop widmete sich im Archiv des LVR (ALVR) der Einführung in die Bewertung und den Umgang mit Massenakten. Dort gab Ariane Jäger (ALVR) eine Führung durch das Archiv und vermittelte einen Überblick zu der archivischen Kernaufgabe Bewertung anhand von Massenakten im Zwischenarchiv. Anschließend durften die Studierenden Patientenakten als Beispiel massenhaft gleichförmiger Einzelfallakten erschließen.

Auch die Mittagspause des zweiten Tages wurde von einigen Studierenden für historische Bildung genutzt, indem sie die Gedenkstädte Brauweiler des LVR besuchten.

Am Nachmittag wurden die Workshops zu den Adelsarchivbeständen und zur Bestandserhaltung erneut angeboten.

Der Workshop von Yasemin Hackbarth (ALVR) zur Einführung in die Fotoerschließung erweiterte das Programm. Die Teilnehmenden erhielten dabei Einblicke in Methoden der Erfassung, Beschreibung und Erschließung fotografischer Bestände und lernten die besonderen Anforderungen dieses Aufgabenfeldes kennen.

Praktikum in Archiv

Vorbereitet durch die Seminartage im LVR-AFZ gehen die Studierenden ins Archiv: Während der vorlesungsfreien Zeit werden sie in verschiedenen Kommunal- und anderen nicht-staatlichen Archiven ein vierwöchiges Praktikum absolvieren. Ende Oktober geht es dann in die finale Runde. Die Studierenden kehren aus ihren Praktika zurück und berichten bei einer Abschlussveranstaltung über ihre gewonnenen Eindrücke und Erfahrungen.

„Erlebnis Archiv“

Das jährlich stattfindende Format wird in Kooperation mit den rheinischen Universitäten Bonn, Duisburg-Essen, Düsseldorf, Köln und Wuppertal durchgeführt. Die Veranstaltung ermöglicht Studierenden einen praxisnahen Einblick in die Archivarbeit. Gleichzeitig bietet „Erlebnis Archiv“ auch Raum für den Austausch zwischen Fachleuten und Teilnehmenden. So können niedrigschwellig Fragen gestellt, Erfahrungen geteilt und Kontakte geknüpft werden. Mit der Vermittlung vierwöchiger Praktika in rheinischen Archiven möchte das LVR-AFZ Nachwuchs für die Archivwelt fördern. Dadurch können Studierende ihre gewonnenen Vorkenntnisse vertiefen und das Berufsfeld aus eigener Hand kennenlernen.

„Erlebnis Archiv“ gelingt es, theoretische Einblicke mit praktischen Erfahrungen zu verbinden und schafft somit einen nachhaltigen Zugang zur Welt der Archive. Damit trägt das Format dazu bei, Interesse für das Berufsfeld zu wecken und Studierende frühzeitig mit der archivischen Praxis vertraut zu machen.

Ansprechpersonen:

Monika Marner M.A.
Telefon: 02234 9854-468
E-Mail: monika.marner@lvr.de

Thea Fiegenbaum M.A.
Telefon: 02234 9854-221
E-Mail: thea.fiegenbaum@lvr.de

Text: Julia Vivien Volkholz, Jana F. Schulz

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